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Die Juden in England
Ausgebeutet und vom Volk gehasst
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Für dreieinhalb Jahrhunderte verbannten die englischen Könige die Juden aus ihrem Reich. Doch der puritanische Revolutionär Oliver Cromwell holte sie 1655 auf die Insel zurück – nicht ohne Hintergedanken.
Im Jahr 1210 – es herrschte Krieg zwischen England und Frankreich – ließ der englische König Johann »Ohneland« (1199– 1216) alle Juden seines Reiches nach Bristol im Südwesten des Landes zusammenrufen, wo sie vor ihm erscheinen sollten. Zweck der »Einladung«: Der Monarch brauchte dringend Geld, um seine Politik weiterzuführen. Die versammelten Juden ahnten natürlich, was Johann im Schilde führte. Denn dies war nicht das erste Mal, dass sie vom König zur Kasse gebeten wurden. Schon 1207 hatte er ihnen eine Sondersteuer auferlegt und 4000 Mark – das entsprach rund 1000 Kilogramm Silber – erpresst. Darüber hinaus hatte er zehn Prozent des Wertes der Schuldscheine, die jüdische Geldverleiher ausgegeben hatten, als zusätzliche Zahlung eingetrieben.
Diesmal geschah aber Ungewohntes: Manche Juden, so berichtet eine Chronik aus der Zeit, weigerten sich, dem König ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offenzulegen. Der nicht gerade zimperliche Johann reagierte schnell. Er wählte einen Juden aus Bristol (sein Name wird in der Chronik nicht genannt) und übergab ihn den königlichen Folterknechten. Diese zogen dem Pechvogel an Ort und Stelle ohne jegliche Betäubung einen gesunden Backenzahn. Die Schmerzen waren höllisch, aber der Mann gab nicht nach. Am nächsten Tag wurde ihm wieder ein Zahn gezogen. Auch diesmal weigerte er sich, Auskunft über seine Finanzen zu geben. Sieben Tage in Folge wurden ihm auf diese grausame Art Zähne aus dem Mund gerissen, ohne dass er nur einmal klein beigab. Erst am achten Tag ertrug er die Schmerzen nicht mehr und willigte ein. Johann, höchst zufrieden, trieb von seinen Juden die damals unvorstellbare Summe von 66000 Mark ein. Übrigens: Der Chronist hat sicherlich übertrieben. Der Monarch hat nicht alle Juden seines Landes zu sich bitten lassen, lediglich die reichsten. Doch möglich wäre es ohne weiteres gewesen, alle Juden mühelos an einem Ort zu versammeln. Ihrer Zahl nach machten sie in ganz England gerade mal drei- bis viertausend Seelen aus.
Dieses Beispiel zeigt jedenfalls, dass es im Jahr 1210 kein Glück war, in England ein Jude zu sein. Ihre kleinen Gemeinden waren über 27 Städte im ganzen Land verstreut, wobei die meisten von ihnen kaum mehr als hundert Mitglieder zählten. Zum Selbstschutz bewohnten sie, obwohl kein Gettozwang bestand, eine eigene Judenstraße, »Jewrie« genannt. Ihre Zahl war zwar gering, doch die meisten von ihnen lebten in Wohlstand. Als Kaufleute und Geldverleiher verfügten sie zumindest eine Zeit lang, so vermuten die Historiker, über ein Drittel des Gesamtvermögens im Königreich. In diesem Fall war Geld aber nicht mit Einfluss gleichzusetzen.
Im Jahr 1210 – es herrschte Krieg zwischen England und Frankreich – ließ der englische König Johann »Ohneland« (1199– 1216) alle Juden seines Reiches nach Bristol im Südwesten des Landes zusammenrufen, wo sie vor ihm erscheinen sollten. Zweck der »Einladung«: Der Monarch brauchte dringend Geld, um seine Politik weiterzuführen. Die versammelten Juden ahnten natürlich, was Johann im Schilde führte. Denn dies war nicht das erste Mal, dass sie vom König zur Kasse gebeten wurden. Schon 1207 hatte er ihnen eine Sondersteuer auferlegt und 4000 Mark – das entsprach rund 1000 Kilogramm Silber – erpresst. Darüber hinaus hatte er zehn Prozent des Wertes der Schuldscheine, die jüdische Geldverleiher ausgegeben hatten, als zusätzliche Zahlung eingetrieben.
Diesmal geschah aber Ungewohntes: Manche Juden, so berichtet eine Chronik aus der Zeit, weigerten sich, dem König ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offenzulegen. Der nicht gerade zimperliche Johann reagierte schnell. Er wählte einen Juden aus Bristol (sein Name wird in der Chronik nicht genannt) und übergab ihn den königlichen Folterknechten. Diese zogen dem Pechvogel an Ort und Stelle ohne jegliche Betäubung einen gesunden Backenzahn. Die Schmerzen waren höllisch, aber der Mann gab nicht nach. Am nächsten Tag wurde ihm wieder ein Zahn gezogen. Auch diesmal weigerte er sich, Auskunft über seine Finanzen zu geben. Sieben Tage in Folge wurden ihm auf diese grausame Art Zähne aus dem Mund gerissen, ohne dass er nur einmal klein beigab. Erst am achten Tag ertrug er die Schmerzen nicht mehr und willigte ein. Johann, höchst zufrieden, trieb von seinen Juden die damals unvorstellbare Summe von 66000 Mark ein. Übrigens: Der Chronist hat sicherlich übertrieben. Der Monarch hat nicht alle Juden seines Landes zu sich bitten lassen, lediglich die reichsten. Doch möglich wäre es ohne weiteres gewesen, alle Juden mühelos an einem Ort zu versammeln. Ihrer Zahl nach machten sie in ganz England gerade mal drei- bis viertausend Seelen aus.
Dieses Beispiel zeigt jedenfalls, dass es im Jahr 1210 kein Glück war, in England ein Jude zu sein. Ihre kleinen Gemeinden waren über 27 Städte im ganzen Land verstreut, wobei die meisten von ihnen kaum mehr als hundert Mitglieder zählten. Zum Selbstschutz bewohnten sie, obwohl kein Gettozwang bestand, eine eigene Judenstraße, »Jewrie« genannt. Ihre Zahl war zwar gering, doch die meisten von ihnen lebten in Wohlstand. Als Kaufleute und Geldverleiher verfügten sie zumindest eine Zeit lang, so vermuten die Historiker, über ein Drittel des Gesamtvermögens im Königreich. In diesem Fall war Geld aber nicht mit Einfluss gleichzusetzen.
Autor/in: P.J. Blumenthal
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