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Der British Council

Anwalt eines engagierten Dialogs zwischen Forschern und Bürgern in Deutschland

British Council u. Think Tank -  (1. Reihe von li. nach re.) Hombrecher, Münder, Roos, Malhotra (2.R.), Matschullat, Goede, Grieshop, (3.R.), Hart, SchneiderBritish Council u. Think Tank -  (1. Reihe von li. nach re.) Hombrecher, Münder, Roos, Malhotra (2.R.), Matschullat, Goede, Grieshop, (3.R.), Hart, Schneider
British Council u. Think Tank: (1. Reihe von li. nach re.) Hombrecher, Münder, Roos, Malhotra (2.R.), Matschullat, Goede, Grieshop, (3.R.), Hart, Schneider

Der British Council (BC) hat Neuland betreten. In der Wissens-Kommunikation spielt das Kulturinstitut Großbritanniens eine immer wichtigere Rolle. Während sein Gegenstück, das Goethe Institut, deutsche Kultur und Kunst, Sprache und Brauchtum im Ausland verbreitet, haben die Kollegen auf der Insel ihren Kulturbegriff modernisiert. Für sie ist die Wissenschaftsowie das gesellschaftliche Gespräch darüber ein Kernthema der Kultur, besonders in einer Zeit der Umbrüche, in der von der Forschung enorme Impulse für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Nationen sowie die globalisierte Weltgesellschaft ausgehen.

Deutscher Think Tank berät BC

Dieser Paradigmenwechsel des BC hat ihn in seiner Arbeit in Deutschland dazu veranlasst, sich von einem Think Tank beraten zu lassen, dem Vertreter der Wissenschaft und deren Organisationen sowie der Medien angehören: Dr. Ulrich Bleyer (Urania Berlin), Wolfgang C. Goede (P.M.), Dr. Gerd Hombrecher (Wissenschafts-Kommunikator), Professor Dr. Jörg Matschullat, (Universität Freiberg), Dr. Herbert Münder (Wissenschaft im Dialog), Dr. Gisela Schneider (Deutscher Akademischer Austauschdienst); Joachim Lerch (Veranstalter von Science Days und Festivals), musste wegen vieler anderer Engagements ausscheiden. Zum BC-Team gehören: Dr. Patrick Hart (Deputy Director British Council Germany), Dr. Herbert Grieshop (Head Education and Science), Ursula Malhotra (Science Projects), Ursula Roos (Science Section, British Embassy), Andre Weiss (Regional Learning Co-ordinator).

Cafe Scientifique greift Klimaschutz auf

Bei einem Think Tank Treffen im Mai 2006 in Berlin wurden die vergangenen Aktivitäten diskutiert und evaluiert sowie künftige Arbeitsszenarien entworfen. Als Erfolg verbuchten Hart und Malhotra die in den Jahren 2005 und 2006 laufende Kampagne „Zero Carbon City“. Eine Ausstellung über die Fragen des Klimaschutzes und der Kohlendioxid-Reduzierung in Leipzig, Bonn, Berlin, München und demnächst in Hamburg rissen die Problematik an und vertieften sie durch ein Cafe Scientifique, ein wissenschaftliches Gespräch in entspannter Kaffeehausatmosphäre, das von Think-Tank-Mitgliedern moderiert wurde. Dem Impuls-Referat eines britischen Klimaforschers folgte ein lockeres Gespräch der Teilnehmer, alles in englischer Sprache. Besonders gelungen fand Hart die Veranstaltung im Münchner Gasteig. Dort gelang es, von starren Frage-und-Antwort-Sequenzen wegzukommen, kleine Arbeitsgruppen zu bilden und sich darin intensiv auszutauschen.

Queen's Lectures als Publikumsmagnet

Sie diskutierten, was der einzelnde Bürger zum Klimaschutz beitragen könnte. Sprecher trugen im Plenum die Ergebnisse vor, die protokolliert, an die Wand geworfen und von allen noch mal kritisch durchleuchtet wurden. „Die Teilnehmer der Kaffeehaus-Events waren mächtig stolz darauf, die Veranstaltung auf Englisch bestritten zu haben“, fasste Hart die Reihe zusammen. In englischsprachigen Bildungsveranstaltungen und Dialogen liege das größte Potenzial der BC-Arbeit in Deutschland, weshalb diese weiter ausgebaut werden, kündigte Hart an. Auf großes Interesse stoßen die regelmäßig stattfindenden "Queen's Lectures".

Im November 2006 war Lord Rees of Ludlow Gast an der TU Berlin, um vor Studenten und Polit-Prominenz im Namen seiner Majestät diese besondere Vorlesung zu halten. Der Mann - Präsident der Royal Society und damit Chef-Wissenschaftler des Königreichs - ist nicht für Panikmache bekannt, doch sein Befund wiegt schwer: Noch nie habe die Erdatmosphäre so viel Kohlendioxid enthalten, welches beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entsteht, die Sonnenwärme festhält und als Treibhausgas und Klimakiller gilt. Schlimmer: Bis zum Jahr 2030 werde der Energieverbrauch weltweit um 50 Prozent ansteigen!

Marshall-Plan für den Klimaschutz

Deshalb fordert der Adelige ein internationales Forschungsprogramm für saubere Energien wie Wasserstofftechnik, das sich durch Abgassteuern von Umweltsündern finanziert. Dabei setzt er große Hoffung auf die deutsche Regierung, die im Jahr 2007 die Präsidentschaft in der EU und G-8-Gruppe inne hat. Klimaschutz müsse die gleiche Priorität wie das Mondlandeprogramm vor 40 Jahren haben, meinte der Astrophysiker – ein Marshallplan sei nötig. Die Heizkosten von Gebäuden ließen sich halbieren, wenn steuerliche Anreize geschaffen werden und Jeder mitmache. Ferien in virtuellen Realitäten könnten das Reisen und den Flugverkehr eindämmen. Selbst Tabus spart der Lord nicht aus: So könnten gentechnisch veränderte Organismen und Pflanzen die Produktion von Biotreibstoffen hochschnellen lassen.

Das öffentliche Debattieren fördern

Der Think Tank unterstützt den BC und die britische Regierung im Bemühen um einen besseren Klimaschutz und versucht auch in Deutschland auf die Politik und die Gesellschaft entsprechend einzuwirken. Des weiteren hat das Gremium den BC dazu ermuntert, nach britischem Vorbild in Deutschland das öffentliche Debattieren zu fördern. Münder hob beim Treffen im Mai 2006 die Beliebtheit der Schülerparlamente hervor, die über die sportlich-faire Auseinandersetzung hinaus ein verbindendes "Community Feeling" erzeuge. Debatten zwischen Wissenschaftlern und Bürgern könnten das Vertrauen zwischen den beiden Gruppen, manchmal arg strapaziert, stärken helfen, was auch Hombrecher unterstützte. Goede wies darauf hin, dass ein studentischer Debattierclub in München zusammen mit einer Bürgergruppe sich dafür einsetzen, das öffentliche Debattieren auf dem Marienhof hinter dem Rathaus anzusiedeln. Dazu gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt eine Pressekonferenz, auf der eine Debatte vorgeführt wird. Wie sie sich als Mittel der Wissenschaftskommunikation einsetzen lässt, vielleicht sogar bei einem Cafe Scientifique, darüber lohnt es sich nachzudenken, war der Konsens.

Appell zu einer nachhaltigen Wissenschaft

Der Hintergrund des Engagements des BC im Dialog zwischen Forschung und Wissenschaft ist Folgender: Das neue Jahrtausend hatte die Institution mit einem Paukenschlag eröffnet. Im Jahr 2000 veranstaltete sie in neun Städten in aller Welt öffentliche Diskussionen zu der Frage, wie demokratisch Wissenschaft und Forschung seien. Die Führung des britischen Kulturinstituts hatte im Jahr 1999 die UNESCO Weltwissenschaftskonferenz in Budapest besucht und sich die dort von der globalen Forschergemeinde verfasste Resolution zu Herzen genommen, die Nachhaltigkeit anmahnte: dass Wissenschaft nur dann dem Fortschritt dient, wenn sie humanitären Zielen verpflichtet ist, die friedliche Zusammenarbeit fördert, den Wohlstand Aller voranbringt und einen Beitrag zur Schonung der Umwelt leistet.

"Trust me, I'm a scientist"

Die öffentliche Meinung dazu war geteilt. Die Einen wünschten sich Wissenschaftler als Pfadfinder, die der Gesellschaft eine Bresche in die Zukunft schlagen, während die Anderen eine größere gesellschaftliche Kontrolle der Wissenschaft verlangen. Daran erinnert Lloyd Anderson, der Leiter des BC Science Departments, in einem Vorwort des Buchs "Trust me, I'm a scientist", das der BC im Jahr 2004 zu seinem 70. Jubiläum veröffentlichte. In seinem Beitrag geht Anderson auf die Kontroversen in der britischen Öffentlichkeit in den 1990-er Jahren über genveränderte Tomaten mit längerer Haltbarkeit ein. Nachdem die Verbraucher skeptisch geblieben waren gegen Eingriffe ins pflanzliche Erbgut, wurde über die Frage "mit den Einkaufswagen in den Supermärkten abgestimmt" – mit dem Ergebnis, dass die Tomaten auf den Regalen liegen blieben.

Towards a Democratic Science

Im März 2001 hatte der BC als Pionierprojekt ein großes internationales Seminar mit Wissenschaftlern und Angehörigen der Medien aus aller Welt veranstaltet mit dem Titel: Towards a Democratic Science. Die Teilnehmer empfanden Wissenschaft dann als demokratisch, wenn sie die Notwendigkeiten der Vielen, nicht die der wenigen Mächtigen anspricht. "Sie anerkennt, dass es nicht den Wissenschaftlern überlassen werden darf, wie neues wissenschaftliches Wissen und neue Technologien anzuwenden sind" und so bestimmte Communites von den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Nutzen ausschließen, zitiert Anderson das Ergebnis. Demokratische Wissenschaftsstrategien schließen die Notwendigkeiten und Wünsche aller Communites ein.

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