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Musik
Am Anfang war Musik!
Aufsehenerregende Theorie: Die ursprüngliche Kommunikationsform zwischen Menschen war die Musik. Schon die Neandertaler haben gesungen und damit die Gemeinschaft gestärkt.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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»Ma-ia-hii, Ma-ia-huu, Ma-ia-hoo, Ma-ia-haha«
tönte es vergangenen Sommer aus allen Radios. Wir wiegten uns im Takt der eingängigen Musik und sangen mit der Band »O Zone« das Lied »Dragostea Din Teio« – ohne die geringste Ahnung, was der rumänische Text bedeutet. Der euphorisierende Sog aus Melodie und Rhythmus trug uns hinweg und schaltete unseren rationalen Verstand – beinahe – aus. Natürlich sind die Musikgeschmäcker verschieden, und wen die Popmusik kaltlässt, den versetzen vielleicht Mozarts Es-Dur-Sinfonie, Schuberts C-Dur-Quintett oder die Lieder von Ri-chard Strauss ins Elysium. Für den Zauber von Musik ist fast jeder empfänglich.
Immerhin vier Millionen Menschen in Deutschland musizieren regelmäßig oder singen im Chor – Musik hören oder Musik machen werden als liebste Freizeitbeschäftigungen genannt. Der Grund ist klar: Musik kann wie kein anderes Medium Emotionen direkt beeinflussen, und viele Menschen setzen sich ihrer Wirkung wie Süchtige ununterbrochen aus. Manchen Jugendlichen scheinen die Ohrstöpsel ihres MP3-Players beinahe angewachsen zu sein – fast als wäre durch kulturelle Evolution ein neues Organ entstanden.
Aber warum wirkt Musik so tief in unser Innerstes hinein? Weil sie uns angeboren ist. »Das menschliche Gehirn ist von Natur aus musikalisch«, sagt Stefan Koelsch vom Max-Planck-Institut (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. »Unmusikalisch wird man nur durch schwere Hirnschäden.« Zusammen mit einem Neurologen-Team hat er unser angeborenes Musikempfinden in Tests nachgewiesen. Dabei wurde Probanden eine Klaviermelodie vorgespielt – einmal mit einem harmonischen, einmal mit einem disharmonischen Schlussakkord. Bei der disharmonischen Variante zeigte das Elektroenzephalogramm (EEG) aller Testpersonen einen signifikanten Ausschlag der Hirnstromwellen – das Gehirn war irritiert, es »wollte« offensichtlich Harmonie.
Wenn wir in punkto Musik vorgeprägt sind: Wie alt ist diese Prägung? Woher kommt sie? Und warum ist sie so mächtig, dass viele von uns sagen, das Leben wäre ohne Musik nicht lebenswert? Die Evolution der Musik zu ergründen gehört im Augenblick zu den spannendsten Forschungsfragen zur Menschheitsentwicklung.
Bei der Suche nach Antworten hatten es die Forscher von vornherein mit einem Mysterium zu tun: Wieso hat der Mensch als einzige Spezies zwei lautliche Kommunikationssysteme entwickelt: Musik und Sprache? Auf den ersten Blick ähneln sie einander: Sprache und Musik wollen etwas mitteilen, und beide haben eine Syntax – Regeln für die passenden Kombinationen der Wörter oder Noten. Aber im Gegensatz zur Sprache transportiert Musik nicht symbolische, sondern überwiegend emotionale Inhalte, die nicht in Einzelelementen, sondern als Ganzes wahrgenommen werden. Außerdem ist es fast unmöglich, Musik mit Worten zu beschreiben: Für das, was sie vermittelt, gibt es keine Worte. Und während man eine Sprache in eine andere übersetzen kann, ist es unmöglich, eine Musik in eine andere zu übertragen. Die Wissenschaftler sehen dies als Indiz dafür, dass Musik älter sein muss als Sprache.
Der Blick ins Gehirn mit modernen bildgebenden Verfahren (Positronen-Emissions- und Kernspintomografie) sollte Klarheit darüber verschaffen. Mehrere Forscherteams ließen Probanden in der engen Tomografenröhre singen und maßen währenddessen ihre Hirnaktivitäten. Dabei zeigte sich in den Gehirnen eine weitverzweigte, sehr individuelle und variable Aktivierung beider Hemisphären. Beim Sprechen dagegen sind hauptsächlich die so genannten Broca- und Wernickezentren in der linken Gehirnhälfte aktiv. Aus der weniger spezialisierten Reaktion beim Singen schließen die Wissenschaftler, dass Gesang in der Evolution früher auftauchte als Sprechen. Bestätigt wird diese Schlussfolgerung dadurch, dass kleine Kinder früher singen als sprechen können – und nach dem biogenetischen Grundgesetz spiegelt die Individualentwicklung die Artentwicklung wider.
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