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Urzeit

Als am Rhein die Vulkane rauchten

Vor 13 000 Jahren ereignete sich mitten in Deutschland eine der gewaltigsten Eruptionen der Erdgeschichte. Begleiten Sie die Geologin und HISTORY-Autorin Angelika Jung-Hüttl bei einer Zeitreise, die damals beginnt und Sie Millionen Jahre bis zu den Sauriern zurückführt.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Als am Rhein die Vulkane rauchtenAls am Rhein die Vulkane rauchten

In der Eifel – gegen Ende der letzten Eiszeit, etwa vor 12900 Jahren – lassen heftige Explosionen den Erdboden erzittern. Ein Vulkan speit riesige Wolken aus fein

sten Lavatröpfchen und ätzenden Gasen in die Luft. Kilometerhoch steigt diese Aschensäule und verdunkelt den Himmel. Der Frühsommertag wird zur dämmrigen Nacht. Noch 15 Kilometer vom Krater entfernt rieseln in einer Wald-lichtung Staub- und Sandkörner aus den schweren tiefgrauen Wolken und legen sich auf das frische Grün der Birken und Weiden, Gräser und Kräuter. Wie ein Leichentuch überdeckt die Vulkanasche die Landschaft.

Ein paar Bäume liegen, vom Feuersturm geknickt, auf dem Boden. Dicke Regentropfen mischen sich nun unter die vom Himmel fallenden Lavakörnchen und verursachen kleine Einschlags-trichter in der Aschenschicht auf der Erde. Ein paar Auerhähne und Birkhühner kommen nun vorsichtig aus ihrem Unterschlupf hervor. Dann tappen zwei Braunbären über die Lichtung. Ihre Tatzen hinterlassen tiefe Abdrücke in der durchfeuchteten Asche. Ihnen folgen ein paar Przewalski-Pferde mit einem Fohlen. Sie suchen vermutlich nach frischem Gras. Nicht weit entfernt steht eine Hirschkuh mit ihrem Kalb.

So ähnlich könnte es gewesen sein, als vor 12900 Jahren der Laacher-See-Vulkan explodierte und einer der katastrophalsten Ausbrüche in der Erdgeschichte Deutschlands begann. Die Fährten der Tiere, dazu Blätter und Samen, die über die Jahreszeit Auskunft geben, sind versteinert in der Vulkanasche erhalten geblieben. Der nächste Auswurf des Feuerberges, der die Lichtung erreichte, hat sie überdeckt und konserviert. Auch Knochen und Geweihstücke eines Elchs, an dem Wölfe genagt haben, wurden gefunden – und das Skelett eines Menschen, des Menschen von Weißenthurm.

»Ob dieser Steinzeitmensch durch den Ausbruch umgekommen ist, wissen wir jedoch nicht«, sagt Martin Street, Archäologe am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Er könnte auch danach gestorben und dann von seiner Sippe in den Vulkanschichten begraben worden sein. Das Problem lässt sich leider heute nicht mehr klären. »Denn wir haben keinerlei Originalmaterial mehr«, bedauert Street. Das Skelett, das schon 1922 entdeckt wurde, ist während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen.

Sicher ist jedoch, dass der Ausbruch ähnlich verheerend, wenn nicht sogar schlimmer war als die Eruption des Vulkans Pinatubo (1991) auf den Philippinen, oder in der Antike, 79 n. Chr., als in Italien der Vesuv explodierte und dabei Pompeji, Herculaneum und noch andere Orte an seinem Fuß vernichtete.

Der Laacher-See-Vulkan war den Ablagerungen nach zu schließen vermutlich nur wenige Tage oder Wochen aktiv. In der kurzen Zeit warf er jedoch über sechs Kubikkilometer Material aus, mehr als zum Beispiel der Mount St. Helens im amerikanischen Bundesstaat Washington, der im Jahr 1980 seinen Gipfel in die Luft sprengte. Die Gesteinsschmelze, die der Feuerberg in der Eifel bei diesem Ausbruch ausstieß, floss nicht in Lavaströmen an dessen Flanken hinab, sondern verteilte sich durch die Heftigkeit der Explosionen zu feinsten Partikeln. Diese stiegen als Aschenwolken mehr als dreißig Kilometer hoch in die Atmosphäre. Der Wind trug sie bis zur Ostsee, nach Polen, nach Frankreich und Norditalien.

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