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Flugsicherheit

Alltag auf dem Flughafen der Hölle

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Alltag auf dem Flughafen der HölleAlltag auf dem Flughafen der Hölle

Wenn ein voll besetztes Flugzeug brennt, muss die Feuerwehr blitzschnell reagieren. Dafür wird auf einem niederländischen Airport trainiert – im simulierten Inferno.

Plötzlich bricht die Hölle los. Draußen dröhnen die Flugzeugmotoren der DC-10, drinnen steht der Frachtraum komplett in Flammen. Feuersbrünste schießen in einem gewaltigen »Flashover« die Decke des Passagierraums entlang und an den Seitenwänden herab. In Bruchteilen von Sekunden fangen die Sitzreihen Feuer und verschwinden in einem wild lodernden Flammenmeer. 20 Menschen darin sind nur noch als Schemen zu erkennen. Die Schreie der anderen auf dem Gang, die plötzlich in einem gigantischen Backofen eingesperrt sind, zerreißen einem das Herz. Die Luft ist sofort so glühend heiß, dass ich in die Hocke gehen muss, weil die Hitze oben unerträglich ist. Wer aus diesem Inferno nicht schnell fliehen kann, der verbrennt oder verschmort. Dass in so einer Situation Panik ausbrechen muss, wird plötzlich nachvollziehbar, zumal man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist: die gewaltigen Flammen, der Qualm, die Schreie, gebrüllte Kommandos vom Flugzeugpersonal, die unerträglichen Temperaturen, das wüste Durcheinander von drängelnden und um sich schlagenden Menschen ...

»So, Pause«, sagt eine ruhige Stimme neben mir, und auf einen Schlag erlöschen die Flammen, die Schreie verstummen, und die Lufttemperatur wird wieder erträglich. Das ist das Gute am simulierten Super-GAU in einem Flugzeug: Es gibt eine Pausetaste. Gedrückt hat sie Adjutant-Unteroffizier Mat Rousch von der Militärschule der Niederländischen Luftwaffe. In der Hand hält er eine Art Fernbedienung, mit der er die Katastrophe in der Flugzeugattrappe in Gang setzen und anhalten kann: das Feuer und die eingebaute Soundanlage, die Motorengeräusche und Menschengeschrei simuliert.

Wir sind im niederländischen Hoogerheide, nahe der Nordseeküste. Eigentlich ein malerisches Fleckchen Erde. Aber auf dem Flugplatz der Luftwaffe bricht fast täglich das flammende Inferno aus. Hier steht, weltweit einmalig, eine Hand voll Flugzeuge und Hubschrauber – und alle können nicht fliegen. Sie sollen nur brennen. Dafür sind auf dem Gelände insgesamt 33 künstliche Brandherde verteilt, an denen jederzeit losgezündelt werden kann.

Seit 1999 werden in der 15 Millionen Euro teuren Anlage zivile und militärische Schüler entweder zum Feuerwehrmann oder zum Feuerwehrleiter ausgebildet – mit Examen und Diplom. Jedes Jahr verteilen sich rund 80 Schüler auf zehn Kurse, die für die NATO-Partner kostenlos sind. Die Schüler kommen aus aller Welt angereist, um die speziellen Anforderungen an eine Flughafenfeuerwehr in der realitätsnahen Simulation kennen zu lernen. Allein auf deutschen Airports rücken diese Experten jährlich mehrere Hundert Mal aus – meist nur zur Vorsicht, denn tatsächlich geht es dabei lediglich in ein bis zwei Fällen wirklich um einen Brand von Flugzeugen oder Flugzeugteilen. Auf dem Lehrplan der Feuerwehrschüler in den Niederlanden stehen unter anderem: das Löschen von brennenden Turbinen und großflächigen Kerosinfeuern; die gefahrlose Annäherung an einen Hubschrauber mit unkontrolliert drehenden Rotorblättern; die Auswahl des geeigneten Löschmittels; das Auffinden versteckter Brandherde im Inneren eines Flugzeugs; die Bergung des Piloten aus einem brennenden Kampfjet.

In Hoogerheide ist, von den 14 Ausbildern einmal abgesehen, so gut wie alles getürkt: Die DC-10, in der wir stehen, ist eine leicht verkleinerte Nachbildung aus zehn Millimeter dickem Stahl. Die Sitzreihen sind nackte, unbrennbare Gerippe und die Menschen Puppen, die in null Komma nichts in Brand geraten, wenn die Flammen nur auf einen oder zwei Meter herankommen und kein Feuerwehrmann sie rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich geborgen hat.

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