Grundlagenforschung ist, was ich tue, wenn ich nicht weiß, was ich tue.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
01/2011
Ausgabe
04/2011
Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
01/2012
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
03/2012
Ausgabe
03/2012
92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
Ausgabe
03/2012
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
01/2011
Indien
Alle Menschen sind gleich. Oder?
Extreme soziale Unterschiede – oft – nebeneinander auf engstem Raum: Das ist typisch Indien, – sagen wir. Denn das rigide indische Kastensystem erscheint uns völlig fremd. Ist es aber nicht! Auch bei uns existieren Kasten – man muss nur genau hinschauen.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin 04/2005
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Am schwierigsten zu ertragen in Indien ist die Ungleichheit: Vielen Besuchern ist sie so abscheulich, dass sie dem Land nach dem ersten Besuch den Rücken kehren und es nie wieder betreten. Schon bei der Ankunft im Subkontinent springen die sozialen Unterschiede ins Auge: Unübersehbar sind die Slums in den Außenbezirken der großen Städte. Zwischen Hütten aus verschmutzter Plastikfolie spielen Horden halb nackter Kinder, Erwachsene verrichten in aller Öffentlichkeit ihre Notdurft. Ein Beutel Reis ist hier ein Fest, eine Schachtel Zigaretten der pure Luxus.
Wenige Kilometer entfernt das Kontrastprogramm: Gruppen elegant gekleideter Frauen lassen sich im klimatisierten Verkaufsraum golddurchwirkte Saris vorführen, um nach Stunden eine stattliche Auswahl der teuren Kleidungsstücke nach Hause zu ordern. Abends lauschen sie mit ihren Männern einem klassischen Konzert, im Winter vergnügen sie sich beim Skifahren in Kalifornien.
Niemand im ganzen Land scheint sich an den sozialen Unterschieden zu stoßen. Alle finden es in Ordnung, dass die Reichen in Bombay für 500 Rupien (10 Euro) ins Freibad gehen, während ein Rikscha-Fahrer für den gleichen Betrag einen ganzen Monat lang in die Pedale treten muss. Ganz normal finden es die Bewohner von Mietshäusern, wenn auf den Absätzen der Treppenhäuser arme Familien hausen. Durch Bestechung des Hausmeisters erkaufen sich diese Familien das Recht, im Trockenen zu schlafen. Es ist ganz einfach: Wer viel Geld hat, kann sich eine eigene Wohnung leisten, wer weniger Geld hat, einen Treppenabsatz – und wer ohne dasteht, muss draußen schlafen. Gänzlich ungeniert scheint Indien vor allem eine Botschaft zu verkünden: Alle Menschen sind ungleich!
Schwer verdaulich ist das für alle, die mit christlichen Werten aufgewachsen sind. Sehen wir einen Bettler, so erblicken wir jemanden, der durch bittere Umstände benachteiligt wurde. Er verdient Mitleid und Fürsorge; an ihm achtlos vorbeizugehen heißt, an seinem Unglück mitschuldig zu werden. Nicht zufällig gehörte die Wohltäterin Mutter Teresa dem Christentum an.
Für einen Inder hingegen ist Ungleichheit gewöhnlich kein Problem. Der Wohlhabende gibt Almosen nicht in der Absicht, das Schicksal des Bettlers zu verbessern. Almosen zu geben ist Pflicht des Reichen, Almosen zu nehmen die des Bettlers. Immerhin gibt der Bettler damit dem Reichen die Möglichkeit, sich als Schenker prächtig zu fühlen. Beide Seiten tun, was ihre Aufgabe ist.
Ungleich werden die Menschen in Indien nicht erst durch ihren unterschiedlichen Wohlstand: Ungleich sind sie von Geburt an. Tausende von unsichtbaren Gräben durchziehen das Land – nicht nur die Trennungslinie zwischen Reich und Arm. Erst nach längerem Aufenthalt lernt man zu sehen, wie vielfältig und tief diese Gräben sind. Nicht nur, dass in Indien Hindus, Muslime, Chris-ten, Sikhs, Buddhisten, Jains, Parsen, Juden und Hunderte kleinere Religionen zusammenleben, auch die große Glaubensgemeinschaft der Hindus (82 Prozent der Bevölkerung) zerfällt in unzusammenhängende Gruppen – in mehr als 3000 verschiedene Kasten!
In seine Kaste wird jeder hineingeboren; sie zu verlassen ist nicht möglich. Die Kaste gibt Benimm- und Essregeln vor, sie legt fest, welche Götter angebetet werden, sie bestimmt den Wert der Menschen in der Gesellschaft und welche Chancen einer im Leben hat. Alle engen und entfernten Verwandten gehören derselben Kaste an – die Kaste ist sozusagen das soziale Universum jedes Einzelnen.
- Kampfkunst
- Verhaltensforschung
- Geschichte & Politik

























