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Aktives Fahrwerk, neue Motoren: Mercedes S-Klasse mit Magic Body Control
Luxus lohnt sich. Vor allem für die Hersteller. Denn nach der Krise des letzten Jahres schöpfen sie wieder aus dem Vollen. Die Geschäfte laufen blendend und Mercedes findet zur alten Stärke wieder zurück. Überaus zufrieden zeigt sich der Stuttgarter Automobilkonzern mit den Verkäufen seines Topmodells in Asien und Amerika. Für Mercedes-Benz laufen hier die Geschäfte „so gut wie lange nicht“, betont der verantwortliche Leiter der Baureihen S-Klasse und Maybach, Hans Multhaupt. In China wurden allein im ersten Halbjahr bisher 9500 Fahrzeuge verkauft, ein Plus um 42 Prozent. Und auch die USA, als weltweit zweitgrößter Markt, konnte um 27 Prozent zulegen. „Allein im August haben wir weltweit über 5100 S-Klassen verkauft, verkündete Multhaupt anlässlich der Präsentation einer neuen Motorengeneration für die S-Klasse und ihr Coupé.
Im fünften Jahr seit ihrer Markteinführung und 15 Monate seit ihrem letzten Feinschliff wurden die Motoren aber gründlichen Revision unterzogen. Besonders der neue V8 mit Doppelturboaufladung konnte trotz eines um 0,8 Liter verringerten Hubraums seine Leistung aus 4,6 l auf jetzt 320 kW (435 PS) steigern und gleichzeitig den Verbrauch auf 9,5 Liter im genormten DIN-Zyklus absenken. Wenn auch diese Werte im realen Fahrgeschehen nur höchst selten erzielt werden, so sind doch Verbräuche um die zehn Liter zu erzielen.
Hilfreich dabei ist auch das butterweich reagierende Start-Stopp-System, welches im reinen Stadtverkehr den Verbrauch um zehn und im gemischten Verkehr um 5 Prozent abzusenken in der Lage ist. Weniger bullige Kraft, aber eine ausreichende Motorisierung bietet der V6-Benziner mit 306 PS (225 kW), der sich in der Regel mit einem Liter weniger Verbrauch zufrieden gibt, aber mit 7,6 l zertifiziert ist. Damit gehört der Mercedes S350 Blue Efficiency zu den sparsamsten Benzinmodellen in der Luxusklasse. Während der 258 PS Diesel 6,8 l konsumiert.
Aber diese Daten sagen noch nichts über die Fahreigenschaften der großen Luxuslimousinen aus. In allen drei Motorenvarianten vermitteln sie ein souveränes Fahrgefühl, bei dem Wagen kraftvoll beschleunigt, ohne hektisch zu wirken. Die Qualitäten der schnellen Reiselimousine werden durch die kommode Federung und die nahezu lautlose Stille beim Gleiten, Bremsen und Beschleunigen unterstrichen. Der Luxus kann genossen werden und der Genuss strahlt die Ruhe inneren Wohlbefindens aus. Fahren in der S-Klasse ist First-Class-Reisen.
Aktiver Totwinkel-Assistent
Bei Mercedes ist es lang gepflegte – und nur durch das Debakel der elchgetesteten A-Klasse unterbrochene – Tradition, dass Neuerungen zur aktiven wie passiven Sicherheit zuerst in der S-Klasse, dann kaskadenhaft in der E- und C-Klasse eingeführt und durchdekliniert werden. So sind die Entwickler besonders stolz mit dem aktiven Totwinkel- und dem aktiven Spurhalte-Assistent zwei Features anzubieten, die „die Zahl der Unfälle spürbar wird reduzieren helfen“, wie Multhaupt sagte. Überfährt der Fahrer aus Unachtsamkeit Spurlinien der Fahrbahn, kann das System durch gezielte Bremseingriffe über das elektronische Stabilitätsprogramm ESP den Wagen wieder in die Spur führen und verhindert unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrspur.
Der neue Totwinkel-Assistent warnt nicht nur den Fahrer im Außenspiegel, dass sich rechts oder links ein Fahrzeug befindet, sollte er die Spur wechseln wollen. Es löst auch einen Bremseingriff aus, der den Kurs korrigiert, sollte er von seinem Vorhaben nicht ablassen wollen. Gebremst wird an den Rädern der gegenüberliegenden Seite und damit zieht der Wagen zurück in die alte Fahrrichtung.
Dass in Zukunft die S-Klasse weiterhin der Technologieträger des Konzerns sein wird, unterstreicht Multhaupt mit der Weiterentwicklung des aktiven Fahrzeugs. Das ABC – active body control, wie es derzeit im Coupé der S-Klasse, dem CL, und im SL angeboten wird, soll deutlich verbessert werden, bei gleichzeitiger Kostensenkung. Beim ABC-Fahrwerk wird der Straßenzustand von nach vorn blickenden Sensoren „gelesen“. Mit diesen Daten werden die Räder zum Beispiel auf Schlaglöcher vorbereitet. So lässt sich ein hoher Komfort erzielen und gleichzeitig die fahrdynamische Sportlichkeit steigern. Der Aufbau der Karosserie ist vom Fahrwerk derart entkoppelt, dass die Einflüsse der Straße nicht mehr zu spüren sind und selbst bei Kurvenfahrten bleibt der Aufbau in der Horizontalen und neigt sich nicht nach außen. Für die Insassen ein großer Gewinn und die Fahrdynamik ebenso. „Wir könnten das System auch so auslegen, dass es sich wie ein Motorradfahrer in die Kurve legt“, sagt Multhaupt, aber dies wird von den Insassen als nicht komfortabel empfunden, wie in langen Testreihen nachgewiesen wurden.
Für den Techniker ist der „Magic Carpet“ – der fliegende Teppich wie das System von seinen Entwicklern liebevoll bezeichnet wird, eine Fahrwerksaufhängung, die in Zukunft die Modelle von Mercedes prägen wird. In seiner neuen Ausprägung von den Kosten her betrachtet, kaum teurer als eine doppelte Wankstabilisierung, wie sie derzeit alle Hersteller von Luxusautos anbieten und besonders in den SUVs mit ihren großen Aufbauten verwendet werden. Das ABC-Fahrwerk kann aber wesentlich mehr und ist sogar für den Einsatz im Gelände bestens geeignet. Ein Alleskönner, der sich für Sport- wie Geländewagen anbietet, gewünschtes Über- wie sicherers Untersteuern ermöglicht und die Dynamik des Fahrzeuges deutlich erhöht – so sehr, dass es im Rennwagen des damaligen Nachwuchsfahrers Michael Schumacher noch während der laufenden Meisterschaft verboten wurde. Der Grund: Die Rennwagen mit ABC-Fahrwerk waren unschlagbar. Als Magic Body Control, so der bereits abgesegnete Name, wird es die deutlich verbesserte ABC-Fahrwerkstechnik die Alltagslimousinen schon bald revolutionieren.
08. 09. 2010























