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Bräuche
Adventskranz und Kalender
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Was wäre die Zeit vor Weihnachten für Kinder und Erwachsene ohne Adventskranz und Adventskalender? Wer dahinter uralte christliche Traditionen vermutet, wird erstaunt sein, wie schnell sich die Adventsbräuche in den letzten zweihundert Jahren gewandelt haben.
Kann man eigentlich noch von »Glaube« sprechen, wenn man sich in der Zeit vor Weihnachten an einem Adventskranz erfreut? Der Brauch ist, wenn man seine Symbolik nicht kennt, religiös so unaufdringlich, dass sich auch Atheisten nichts dabei denken, wenn sie ihn pflegen. Zudem hat die zurückhaltende Symbolik dazu geführt, dass für viele jeder religiöse Bezug verloren gegangen ist. Nein, der Adventskranz entspricht zwar typischen Zügen deutschen Gemütslebens, aber eine Sache des Glaubens ist er überwiegend nicht oder nicht mehr.
Auch die Adventszeit selbst, die mit dem vierten Sonntag vor dem 25. Dezember beginnt, ist heute für viele Menschen im religiösen Sinn bedeutungslos. Für die gläubigen Christen dagegen ist sie die hohe Zeit der Erwartung. »Advent« leitet sich vom lateinischen Wort »advenire« ab, das »ankommen« bedeutet. Gemeint ist die Ankunft Christi, dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird. Der Advent ist also eine Zeit der Erwartung. Die Kerzen auf dem Adventskranz markieren die Wochen beziehungsweise Tage der Adventszeit, die bereits vergangen sind.
Vorbereitung auf ein Fest bedeutete für die Christen immer eine Zeit der Enthaltsamkeit. Die Menschen sollten sich durch nichts abhalten lassen, innere Einkehr zu finden. Dass zum Beispiel in den Adventswochen nicht getanzt wurde, war noch in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts üblich. »Kathrein (25. November) stellt den Tanz ein«, sagte man. Auch Spiel und Theater unterlagen früher Einschränkungen. Streng waren aber vor allem die Fastenvorschriften. Bischof Perpetuus von Tours forderte zum Beispiel im 5. Jahrhundert die Gläubigen auf, von Mitte November bis Weihnachten dreimal in der Woche zu fasten. Üppige Speisen waren grundsätzlich verboten. Da mag man es dann schon leichter verstehen, dass die weihnachtlichen Festtage umso reichhaltiger ausfielen. Dass von alledem lediglich die weihnachtliche Schlemmerei geblieben ist, ist wohl geistig wie körperlich eher weniger bekömmlich.
Im deutschen Sprachgebiet verbindlich eingeführt wurde die Adventsfeier 836 durch eine Kirchenversammlung in Aachen. Dieser im Vergleich zu romanischen Ländern relativ späte Zeitpunkt erklärt sich aus der Tatsache, dass die Deutschen ja gerade erst missioniert worden waren. Das strenge Fastengebot für die deutschen Territorien wurde 1022 auf der Synode zu Seligenstadt erlassen. Gleichzeitig untersagte man Eheschlie-ßungen während der Adventszeit – auch der Lustbarkeit einer Hochzeit galt es sich zu enthalten.
Der sinnfälligste Adventsbrauch ist heute – sieht man von den kirchlichen Messfeiern ab – der Adventskranz, in der Regel aus Tannen- oder Fichtenreisern gebunden und mit Kerzen und farbigen Bändern geschmückt. Er hängt als stimmungsvoller Zimmerschmuck entweder von der Decke oder er liegt auf dem Tisch. Jeden Sonntag wird eine Kerze mehr angezündet. In den meisten Fami-lien ist es üblich, dafür die spätere Nachmittagsstunde zu wählen, wenn allmählich die Dunkelheit hereinbricht. In den Kirchen brennen die Adventskerzen wäh-rend der Gottesdienste.
Man möchte ja meinen, dass so ein altertümlich anmutender Brauch wie der Adventskranz tatsächlich schon uralt wäre. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Man kann sogar präzise sagen, dass der Adventskranz erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde. Und ebenso präzise lässt sich sagen, dass die Geburtsstätte dafür Hamburg war: 1839 ließ der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im Betsaal des »Rauhen Hauses« zum ers-ten Mal einen hölzernen Leuchter mit 23 Kerzen aufhängen – 19 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten, vier dicke weiße für die Sonntage.
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