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60 Jahre VW-Bulli: Wolfsburgs sympathischster Botschafter

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In Rufweite des Campus der Stanford University of California, in der Miranda Avenue von Palo Alto, unterhält der VW-Konzern seinen Think Tank. Hier werden die Ideen und Anregungen aus der Universität wie der Hightech-Firmen, die sich im Großraum San Francisco und dem Valley niedergelassen haben, auf ihre Verwendbarkeit im Automobil geprüft. Der vorgeschobene Posten des Electronics Research Laboratory scannt die neuesten Trends und Entwicklungen und sortiert sie aus. Was verwertbar erscheint, wird aufgegriffen und weiter entwickelt.

Technologie-Spürnasen wie Sven Strohband und Carlo Rummel müssen dann auch ihren Bossen in Wolfsburg die ausgefilterten Ideen schmackhaft machen. Sicherlich keine leichte Aufgabe – bis sie auf die Idee mit dem Bulli kamen. Der Bulli, jetzt auch geschützter Name für den VW-Transporter aus Käfers Zeiten, wurde auf ebay ersteigert, restauriert und wieder in Schuss gebracht.

„Wir wollten immer einen Samba-Bus haben,“ erinnert sich Rummel. Erpicht waren die Techniker auf jene hochbegehrte Passagiervariante mit den charakteristischen Fenstern in der Dachwölbung. Der Sambabus war wie TEE-Fahren: Gardinen, Chromleisten. Zweifarb-Lackierung und Chromgitter im Kofferraum.

Produziert wurde der Bus seit 1950 in Wolfsburg unter dem Kürzel „Typ 2“. Damit sollte der Unterschied zum „Typ1“, dem Käfer, herausgestellt werden. Mit dickem Logo auf der rundlichen Front, der geteilten Windschutzscheibe und den Flügeltüren an den Seiten ist er heute unter Liebhabern der höchstgeschätzte Bulli.

Im Laufe der Jahre und Modellgenerationen hat sich auch in der Szene die Nomenklatur auf T1 geeinigt. Der folgende T2 besaß die große Frontscheibe und die Schiebetür. Der eckige T3, heute noch als Youngtimer hochbegehrt, wird von vielen Sammlern als der Beste betrachtet, während mit dem T4 Abschied vom geliebten Heckmotor und –antrieb genommen werden musste. Der T5 ist ein bulliges Raumwunder, lässt aber die fragilen Proportionen der Vorgänger vermissen.

Für seine Nachfolger und natürlich auch für die gesamte Konzernflotte von Audi bis Skoda probieren die Ingenieure vom Electronic Lab die zukünftigen Anwendungen aus. Licht, Ton, Bilder sind die drei Säulen des Unterhaltungsprogramms im Fahrzeug. Die Innenbeleuchtung und Lichtinszenierung wird immer mehr zum persönlichen Wohlfühlambiente im Automobil. Je nach Stimmung und Uhrzeit können verschiedene Beleuchtungen erzeugt werden. Den Ton liefern die modernen digitalen Abspielformate, wobei Rummel durchaus einräumt, Apples iPod unterschätzt zu haben.

Aber mittlerweile sind die Trendforscher schon weiter und beschäftigen sich mit Raumklang und Bildwiedergabe. Das mobile Internet und Google-RoutenplanerAber auch Bedienelemente, Touchsensoren, Displays sind Themen, die hier in Labors mit den weitläufigen Werkstätten und Testständen weiterentwickelt werden. Dass die doch so kühl wirkenden Ingenieure sich in den Bulli vernarrt und gerade in als rollendes Testlabor ausgesucht haben, „liegt sicherlich an der Umgebung, wo wir leben“, sagt Carlo Rummel und meint das Kalifornien der sechziger Jahre mit seiner Hippiebewegung.

Statusfahrzeug war und ist der VW-Bus. „Aber der Transporter mit seinem kompakten und einfachen Aufbau ist auch besonders gut geeignet“, schiebt sein Kollege Strohband ein rationales Argument zur Bekräftigung nach, damit am Ende beide zugeben könne, echte Bullifans zu sein.

Das teilen die Beiden mit Millionen Fans in aller Welt. Kein deutsches Auto hatte es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg geschafft, überall in der Welt als höchst sympathisch empfundener Botschaft aqkzeptiert zu werden wie der Bulli - montiert auf den Bändern in der „Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens bei Fallersleben“. Erst 1945 nannten die Engländer das von den Nazis initiierte, zur Stadt ausgewachsene Projekt Wolfsburg.

Jetzt, zum 60. Geburtstag, kann dem Hightech-Bulli aus Palo Alto nicht gratuliert werden. Ein Kurzschluss hat den Bulli, vollgestopft mit Elektrik und Elektronik modernster Machart, in Flammen aufgehen lassen. Als ob sie es geahnt hätten, hatten Strohband und Rummel vorgesorgt und einen zweiten Samba-Bulli ersteigert. Wieviel sie bezahlt haben und was er jetzt Wert ist, nachdem er auch neueste Unterhaltungselektronik mit sich führt, wollten sie nicht verraten. Aber Gratulationen nimmt er entgegen.

10.03.2010

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