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Wissenschaft
10 abenteuerliche Fälschungen
Wissenschaftler streben nicht immer nur nach der Wahrheit. Es geht ihnen auch um Geld und Ruhm, um Macht und Karriere. Kein Wunder, dass in der Wissenschaft gelogen wird, und manchmal ziemlich dreist. Hier sind zehn spektakuläre Fälle.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Abgestürzt
Die Karriere des deutschen Physikers Jan-Hendrik Schön, geboren 1970, ging rasant nach oben. Mit 27 Jahren kam er an die renommierten Bell Laboratories in die USA. Im Jahr 2001 veröffentlichte er fast im Wochenrhythmus wissenschaftliche Aufsätze in den angesehensten Magazinen. Sogar für den Nobelpreis war er im Gespräch. Doch noch im selben Jahr kamen unter seinen Kollegen Zweifel auf. Schöns Ergebnisse schienen zu perfekt, um wahr zu sein. Er musste gestehen, sie gefälscht zu haben. Die Bell Labs entließen ihn, sein Doktortitel wurde ihm aberkannt.
Held des Klonens
Er war der Superstar der Stammzellforschung und ein nationaler Held: der Koreaner Hwang Woo-suk, der 2004 erstmals menschliche Embryonen geklont hatte – angeblich. Gewaltige Hoffnungen auf die Heilung bisher unheilbarer Krankheiten kamen auf. Dann aber entpuppte Hwang sich als Betrüger. Er hatte Wissenschaftlerinnen aus seinem Team Eizellen abgekauft, staatliche Fördergelder veruntreut und Versuchsergebnisse gefälscht. Letzten Oktober wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Blondinensterben
Anfang des neuen Jahrtausends schlugen die großen Medien weltweit Alarm: In den nächsten 200 Jahren würden die blonden Menschen aussterben! Die Berichte zitierten eine Studie der Weltgesundheitsorganisation. Eine solche Studie hat es nie gegeben. Aber der Mythos vom Blondinensterben hält sich bis heute.
Kaninchenmutter
Der Engländerin Mary Tofts gelang im Jahr 1726 das Kunststück, die Mediziner zu überzeugen, sie habe 16 Kaninchen geboren. Die königliche Familie war so interessiert an dem Fall, dass sie ihren Leibarzt hinschickte. Er schrieb eine ganze Abhandlung über den Fall. Tofts erklärte, sie habe während ihrer Schwangerschaft Heißhunger auf Kaninchen gehabt. Die Menschen hörten auf, Kaninchenfleisch zu essen – bis der Schwindel aufflog.
Bäume auf dem Mond
Zu den Paradestücken des berühmten Rijksmuseums in Amsterdam zählte ein Stück Mondgestein, das der US-Botschafter William Middendorf im Jahr 1969, kurz nach der Mondlandung, dem ehemaligen niederländischen Premierminister Willem Drees schenkte. Das Museum versicherte das Stück mit einer halben Million Dollar. Doch es ist so gut wie nichts wert! Denn eine Untersuchung im Jahr 2009 entlarvte es als versteinertes Holz, also zweifellos irdischen Ursprungs. Der damalige Schenker Middendorf erinnert sich nicht mehr, wie der Stein in den Fundus des US-Außenministeriums kam.
Falsche Brüder
Die Bruderschaft vom Berg Zion (französisch: Prieuré de Sion) soll ein Geheimbund gewesen sein, den die Kreuzfahrer im 11. Jahrhundert gegründet hatten. Leonardo da Vinci, Isaac Newton und Victor Hugo sollen Zion-Brüder gewesen sein – so stand es in Dokumenten in der Pariser Nationalbibliothek. In Wirklichkeit hatte der französische Monarchist Pierre Plantard den Bund erst 1956 gegründet und ihm mit gefälschten Quellen eine uralte Geschichte gegeben. Plantard gestand öffentlich, aber kaum jemand hörte zu. Noch Jahre später erschienen Bücher über die Zion-Bruderschaft, deren Autoren den falschen Quellen geglaubt hatten.
Der eigene Stamm
Der Anthropologe Horace Miner veröffentlichte im Jahr 1956 ein Papier über die Nacirema, ein nordamerikanisches Urvolk. Er schrieb, er habe seltsame Riten bei ihnen beobachtet, zum Beispiel »das Kratzen und Verletzen des Gesichts mit einem scharfen Werkzeug« oder »das Einführen eines kleinen Haarbündels in den Mund, zusammen mit magischen Pulvern, gefolgt vom Bewegen des Bündels in einer streng formalisierten Folge von Gesten«. Gemeint waren die Amerikaner selbst. Der Bericht ist eine Satire ihres Alltagslebens. »Nacirema« ist »american«, von hinten nach vorn gelesen.
Der Schachtürke
In den Jahren nach 1769 machte ein Schach spielender Automat in Europa Furore, den der österreichisch-ungarische Hofbeamte Wolfgang von Kempelen gebaut hatte. Die Maschine bestand aus einer türkisch gekleideten Puppe, die mit roboterhaften Bewegungen die Figuren übers Brett schob. Auch der preußische König Friedrich der Große musste sich ihm geschlagen geben. Friedrich bot von Kempelen eine große Geldsumme, um hinter das Geheimnis zu kommen – und war enttäuscht, als er erfuhr, dass ein menschlicher Zwerg in dem Automaten steckte, der die Züge ausführte. Der Automat landete in der Abstellkammer.
Unsichtbare Botschaften
Der amerikanische Marktforscher James Vicary behauptete 1957, er habe in einem Experiment gezeigt, wie man Kinobesucher mit unterschwelliger Werbung zum Kauf bestimmter Produkte bewegen kann: Er habe in den Film immer wieder kurz Botschaften wie »Iss Popcorn« oder »Trink Cola« eingeblendet. Daraufhin hätten die Menschen die Cola-Automaten und Popcorn-Stände gestürmt. Die Fachwelt staunte. Sogar der Geheimdienst beschäftigte sich mit Vicarys Methode. Später räumte Vicary ein, das Experiment nie durchgeführt zu haben. Er wollte nur für sein Unternehmen werben.
Schummelndes Genie
Auch die Allergrößten unter den Wissenschaftlern mogeln manchmal. Der Renaissance-Physiker Galileo Galilei zum Beispiel beschrieb einst, wie er eine Kanonenkugel vom Mast eines Schiffes fallen ließ. Er wollte zeigen, dass sie auch während der Fahrt genau senkrecht nach unten fällt – und damit sein berühmtes, damals heftig umstrittenes Relativitätsprinzip beweisen. Doch Galileo war sich seiner Sache so sicher, dass er sich die Durchführung des Versuchs sparte. In einem seiner Dialoge lässt er dazu eine Figur sagen: »Es ist nutzlos, das Experiment zu machen. Wenn ich es euch sage, dürft ihr mir glauben.«
- Für den Fortschritt taten sie alles ...
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