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Henri de Toulouse-Lautrec

„Ich bin hässlich – das Leben ist schön!“

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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dekolletierten Abendkleid, enge Taille, blassblaue Seide. Paris im Sommer 1888, Rue Fontaine 19 auf dem Montmartre. Ein herrschaftliches Haus, das dem Arzt Dr. Henri Bourges gehört, väterlicher Freund und Zimmervermieter des jungen Mannes, der sich zu seiner Tischdame hinüberbeugt, als das Dienstmädchen den Raum verlässt. „Zieh dich aus, Suzanne“, sagt er leise. “Ich will sehen, was für ein Gesicht Léontine macht, wenn sie die Nachspeise bringt.“ Suzanne kichert. „Aber lass’ Strümpfe und Schuhe an!“ Das Ausziehen geht ganz schnell, dann nimmt Suzanne mit gesittetem Gesichtsausdruck wieder Platz und klingelt nach Léontine.

Die Pointe dieses Gags, einem von vielen, die sich Henri de Toulouse-Lautrec und sein Lieblings-Modell Suzanne Valadon im Laufe ihrer zweijährigen Liebesaffäre ausdachten. Léontine ließ sich nichts anmerken. Sie servierte mit unbewegter Miene weiter. Allerdings beschwerte sie sich am nächsten Tag bei ihrem Dienstherrn Dr. Bourges, der den beiden jungen Leuten seinen Speisesalon zur Verfügung gestellt hatte, und bat darum, die Herrschaften künftig nicht mehr bedienen zu müssen.

Lautrec und die Valadon – das Glamour-Paar des Montmartre am Ende des 19. Jahrhunderts (siehe Kasten „Montmartre und Moulin Rouge“). Zwei kongeniale Freigeister, denen nichts heilig war, außer ihre Kunst. Kein Atelierfest, keine Cabaret-Eröffnung war perfekt, solange sie nicht anwesend waren. Man hing an ihren Lippen, wenn sie da waren, man redete über sie, wenn sie nicht da waren. Ihre wilde Liebe, ihre Alkoholexzesse, ihre Prügeleien – sie lieferten zuverlässig Gesprächsstoff.
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