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Extrembergsteiger

Über Eis und Abgründe zum Everest

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der höchste Punkt der Erde ist wohl das ultimative Ziel eines Bergsteigers. Hunderte erklimmen jedes Jahr den 8850 Meter hohen Himalaya-Riesen. Einige bezahlen ihren Wagemut mit dem Leben. P.M. HISTORY-Autor Otto Huber berichtet von historischen Gipfel­stürmern – und seinem Versuch, das Dach der Welt zu bezwingen.

Die Rinne, durch die ich mich den Berg hochquälte, war steil. Flugschnee klebte auf gelbem Granit. Zwischen den Felsen schimmerte Eis. Wenn ich an den Steigeisen vorbei nach unten blickte, sah ich die bunten Farbtupfer der Hochlagerzelte: Lager IV, 8380 Meter hoch am Nordostgrat des Mount Everest. Ich war allein unterwegs. Nicht auf der Route der Erstbegeher, sondern auf der Nordseite des Berges. Ich ging ohne Sauerstoffgerät, in beängstigender Langsamkeit. Sechs panische Atemzüge für jeden Schritt. Mein Brustkorb war eine einzige keuchende, stechende Lunge, die nach Luft gierte. Der Mangel an Sauerstoff bewirkte eine bleierne Trägheit in meinem Gehirn. Denken funktionierte nur noch mit Verzögerung, wie von außen gesteuert.

Der klare, trockene Himmel von heute Morgen war verschwunden. Feiner Nebel hüllte den Grat ein. Die Sonne, hoch am südlichen Himmel, strahlte wie ein mit Milchglas abgeschirmter Feuerball. Schemenhaft sah ich vor mir den »Second Step«, einen 30 Meter hohen Grataufschwung, die schwierigste Kletterstelle des Nordanstieges. Dahinter, greifbar nahe, der 8850 Meter hohe Gipfel. Der höchste Punkt der Erde. Schneetreiben setzte ein. Keine Flocken, sondern Eiskristalle, die der aufkommende Sturm waagrecht über den Grat peitschte.

Weitergehen? Umkehren? Ich setzte mich in den Schnee, starrte zum Gipfel. Nur noch 300 Meter! Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass irgendjemand »umkehren« sagte. Ich war weder erleichtert noch enttäuscht. Ich war nicht fähig, darüber nachzudenken. Ich reagierte wie ein Roboter, stand einfach auf und begann abzusteigen.
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Autor/in: Otto Huber


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