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Kosmos

»Warum ist der Urknall ein Irrtum?«

So gut wie alle Kosmologen sind davon überzeugt, dass das gesamte Universum vor 15 Milliarden Jahren in einem unmessbar kleinen Materiepunkt geballt war. Aber diese Vorstellung ist höchst fragwürdig. Der deutsche Astrophysiker Hans-Jörg Fahr zweifelt an der Urknalltheorie.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Warum ist der Urknall ein Irrtum?Warum ist der Urknall ein Irrtum?
Leben wir in einem schöpferischen Kosmos und nicht in einem Urknall-Universum? Eine beruhigende Vorstellung für den Menschen und weit entfernt von der Standardkosmologie
iStockphoto

P.M.: Die meisten Astrophysiker glauben, dass das Universum etwa 15 Milliarden Jahre alt ist und einer Raum-Zeit-Singularität entstammt: Die gesamte materielle Welt soll ursprünglich in einem winzigen Punkt zusammengeballt gewesen und mit dem Urknall auseinandergeflogen sein. Wie ist diese Theorie entstanden?
 

Fahr: Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass wir zurzeit im Weltall eine Ausdehnung beobachten. Wenn ich diese Expansion in der Zeit umkehre, also rückgängig mache, rücken die Galaxien immer näher zusammen, die Hintergrundstrahlung wird immer heißer, bis sie schließlich der Temperatur der Sternenoberfläche entspricht. Dann können die Sterne keine Energie mehr abgeben, sie pumpen sich auf und lösen sich schließlich auf.

Die Materie wird zu reiner Energie, zu einer kochenden Ursuppe?
Richtig. Wir gelangen zu Anfangsbedingungen mit extrem hoher Energiedichte, verbunden mit unvorstellbar heißen Temperaturen. Aber warum bleibt dieses Gebilde nicht, was es ist? Warum muss es expandieren? Die Expansion muss durch die Anfangsbewegung dem ursprünglichen Energieknäuel eingeschrieben sein. Hier steckt das eigentliche Schöpfungsrätsel. Der Anfang kann eben nicht nur Chaos sein! In den Anfangsbedingungen dürfte Materie dennoch nicht allzu dicht zusammengeballt sein, sonst bliebe das All ein Schwarzes Loch, in dem sich nie etwas getan hätte. Stattdessen muss dieser Materie eine innere Dynamik innewohnen, die die Expansion zwangsläufig einleitet.

Aber die Urknall-Theorie halten Sie für einen Irrtum?
Ja. Einer der Gründe ist die Tatsache, dass wir über diese Anfangssituation, den Zeitpunkt null, überhaupt nichts wissen und offensichtlich auch nichts wissen können. Wir haben keine Ahnung, wie sich Materie in einem solchen gedachten Urzustand verhält. Trotzdem soll dieser Zustand in der extremsten Vergangenheit genau derjenige sein, aus dem unsere Welt hervorgegangen ist. Das überzeugt mich nicht. Zum anderen kann der Urknall ja nur plausibel sein, wenn der gegenwärtige Zustand unserer Welt uns Hinweise darauf geben kann, dass es sich um ein evolutionäres Geschehen handelt, das wir zurückverfolgen können. Aber genau diese evolutionären Rückblicke können wir bei dem Kosmos, der uns vorliegt, nicht vollziehen.

Warum nicht?
Weil uns der gegenwärtige Kosmos keinerlei Indizien für seinen Anfangszustand liefert. Wenn Sie einen Mückenschwarm in der Zeit anhalten und dann rückwärts agieren lassen, dann kollabiert dieser Schwarm auch nicht zu einer Singularität.

Sie meinen, es gibt weder Hinweise für einen Urknall noch für einen anderen Anfangszustand?
Ja, genau! Der Kosmos hält seine Struktur, und er unterhält sie permanent weiter. Es entstehen und es vergehen Galaxien. Jeder Stern verendet irgendwann, wird zum Weißen Zwerg oder Neutronenstern oder zu einer Supernova. Aber gleichzeitig entstehen neue Sterne. In seinem Gesamtzustand bleibt sich das Bild des Universums jedoch gleich.

Und die Hintergrundstrahlung ist kein Echo des Urknalls?
Das halte ich inzwischen für bezweifelbar. Die kosmische Hintergrundstrahlung ist eine sehr gleichförmige Strahlung im All. Es kommen Photonen mit einer bestimmten thermischen Verteilung mit etwa gleicher Stärke aus allen Richtungen. Diese extreme Gleichförmigkeit verstehen die Standardkosmologen als ein Indiz dafür, dass die Welt im Ursprung völlig gleichförmig war. Das Universum hat zu Beginn überhaupt keine Unterschiede erkennen lassen. Allerdings kann niemand überzeugend erklären, wie aus dieser extremen Gleichförmigkeit unsere gegenwärtige, äußerst ungleichförmige Welt hervorgegangen sein soll. Da werden dann jede Menge Tricks aufgeboten, um die Strukturbildung plausibel zu machen. So sagt man, es müsse noch Dunkelmaterie mit im Spiel sein; diese könne sich schon frühzeitig Strukturen bilden, weil sie nicht ans elektromagnetische Strahlungsfeld gekoppelt ist.

Aber Dunkle Materie ist reine Fiktion, die empirisch gar nicht nachgewiesen ist.
So ist es. Es wird so getan, als hätten wir die Welt dadurch restlos erklärt, dass wir ein bestimmtes Verhältnis von Dunkelmaterie zu normaler Materie als gegeben annehmen. Das ist im Grunde eine gewisse Arroganz der Astronomen.

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