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Spionage

»Privat«: Nur eine Illusion?

Im Fadenkreuz der Spionage: P.M.-Autor Jörg Heuer hat einen Lauschangriff auf sich selbst in Auftrag gegeben. Ein Profi folgte tagelang - und verwanzte sogar mühelos seinen Computer.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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»Privat« -  Nur eine Illusion?»Privat« -  Nur eine Illusion?
iStockphoto

Es ist fünf vor zwölf an einem entspannten Sommertag in Berlin. Doch die Aufregung steigt, der Countdown läuft. In fünf Minuten endet mein normales Leben erst mal. Ich habe einem Ex-Geheimdienst-Agenten den Auftrag erteilt, mich auszuforschen. Mich als Zielperson gläsern zu machen, heimlich in mein Auto und mein Hotelzimmer einzudringen, in mein Handy und in meinen Laptop. Um Punkt zwölf Uhr wird er sich an meine Fersen heften.

Und dann wird er genau das tun, was auch Nachrichtendienstler, Zielfahnder, Wirtschaftsagenten oder Privatdetektive so machen, wenn sie jemanden ins Visier nehmen: mir möglichst viele Geheimnisse abjagen. 48 Stunden habe ich dem Undercover-Ermittler gegeben, meine Privatsphäre auszuhebeln. Der Spion, der nichts als meine Visitenkarte und ein Foto hat, meinte, er habe für solche Operationen meist mehr Zeit, aber auch »die schnelle, schmutzige Nummer« sei kein Problem.

Sein Handwerk hat der Mann, der anonym bleiben will, bei dem damals besten deutschen Nachrichtendienst gelernt. »Bei der Stasi«, sagt er. Menschen beschatten und überwachen, das ist noch immer sein Beruf. Sonst spioniert er im Auftrag mittelständischer Unternehmen oder Privatpersonen, die sich das leisten können und keine Skrupel kennen.

Die Zeit tickt. Der Spion liegt auf der Lauer. Die Observation, immer der Beginn einer Ausforschung, läuft. Ich sehe meinen Schatten nicht, höre ihn nicht, weiß nicht mal, wie er aussieht. Ich versuche, alles genau so zu machen wie sonst auf Dienstreisen auch, wenn ich Protagonisten und Informanten treffe. Im beschaulichen Berlin-Kladow suche ich mir eine passende Unterkunft: ein Hotel mit italienischem Restaurant. Um Kas­tanien, Linden und Blumenkästen herum gepflegter Rasen. Der Blick geht über einen kleinen Hafen auf den glitzernden Berliner Wannsee, Segelboote schaukeln auf den sanften Wellen, leicht gekleidete Menschen flanieren die Uferpromenade entlang.

Ich hole mein Gepäck aus dem Kofferraum, gucke mir im Hotel ein paar Zimmer an, beziehe das mit der Nummer 13. Es liegt im ersten Stock, besitzt von außen schwer zugängliche Fenster, blickdichte Gardinen und ein annehmbares Sicherheitsschloss. So eines, mit dem viele ihre Wohnungen, Häuser oder Geschäfte abschließen. Wenn Kongresse oder Messen in der Stadt sind, steigen hier gern Geschäftsleute, Ärzte und Professoren ab, erzählt die Dame an der Rezeption. Vermutlich auch schon manche echte Zielperson.

Ich entscheide mich für einen Besuch im wenige Kilometer entfernten Schwimmbad. Ich ziehe die Tür des Zimmers zu, schließe zweimal ab. Den Schlüssel nehme ich mit. Das ist sicherer, als ihn an der Rezeption zu lassen, die nicht immer besetzt ist. Im Schwimmbad lasse ich mir Zeit. Mir fällt nichts Besonderes auf. Ich ziehe mich um, schalte mein Handy aus, verstaue die Sachen im Spind, stecke den Euro in den Schlitz, prüfe, ob der Schrank auch wirklich zu ist.

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