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»Hunde, die bellen, beißen nicht!« Stimmt das?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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»Hunde, die bellen, beißen nicht!« Stimmt das?»Hunde, die bellen, beißen nicht!« Stimmt das?

Interview mit Martin Rütter, Tierpsychologe und Moderator der WDR-Sendung »Eine Couch für alle Felle«. Er ist Entwickler von D.O.G.S. (»Dogs Orientated Guiding System«), das sich an den natürlichen Bedürfnissen von Hunden orientiert.

Herr Rütter, wie viel hat das Sprichwort mit der Hundewirklichkeit zu tun? Muss man vor dem Dauerkläffer tatsächlich keine Angst haben?

MR: Das Sprichwort kann man auf gar keinen Fall als Verhaltensregel nehmen. Auch bellende Hunde beißen! Allerdings zeigt das Bellen des Hundes in der Regel große Erregung und auch Unsicherheit über die Situation an – der Hund ist sich nicht sicher, wie er sich weiterhin verhalten soll.

Warum bellen manche Hunde mehr als andere? Gibt es Hunderassen, die als notorische Kläffer gelten?

MR: Es gibt tatsächlich Hunderassen, die eher viel bellen, wie beispielsweise die Terrier, die als Jagdhunde extra so gezüchtet wurden. Ursprünglich machte es für den Hund jedoch mehr Sinn, leise zu jagen, da er sonst das Wild vertrieben hätte. Die Art des Bellens, ob z. B. eher lauter oder leiser, hängt vor allem auch vom Körperbau des Hundes ab. Hunde größerer Rassen wie z. B. Bernhardiner haben eine tiefere Stimme als Chihua-huas oder Rehpinscher.

Ist das Bellen überhaupt die Sprache der Hunde? Oder kommunizieren sie auf andere Weise?

MR: Hunde kommunizieren haupt-sächlich über ihre Körpersprache. Dennoch gehört auch das Bellen zur Kommunikation des Hundes, es nimmt aber insgesamt eher einen untergeord-neten Stellenwert ein. Da jedoch der Mensch die feinen körpersprachlichen Signale des Hundes oft gar nicht wahrnimmt, haben Hunde auch in diesem Bereich differenzierte Signale entwickelt. So gibt es unterschiedliche Bell-Laute, je nach Anlass unterscheidet man warnendes, begrüßendes, forderndes oder ängstliches Bellen. Als Merkregel gilt: Je tiefer ein Ton, desto bedrohlicher ist dieses Signal zu deuten. Je häufiger ein akustisches Signal wiederholt wird, desto erregter ist der Hund!

Wie erkenne ich, woran ich bin, wenn plötzlich ein fremder Hund vor mir steht und mich anbellt?

MR: Wichtig ist, sich den Hund im Ganzen anzuschauen: Ist die Körperhaltung eines Hundes eher entspannt, sind die Ohren dabei aufmerksam nach vorne gerichtet und die Rute (der Schwanz) leicht erhoben und wedelnd, dann will er durch sein Bellen in der Regel die Aufmerksamkeit des Menschen erregen, ihn zu einem Kontakt auffordern. Steht der Hund dagegen steifbeinig auf allen vier Beinen mit dem Gewicht nach vorne und hat dabei die Rute stark angehoben und ist fast ohne Bewegung, so sollte man einer Konfrontation eher aus dem Weg gehen. Dieser Hund meint es ernst.

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