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Exklusiver Vorabdruck

»Hiobs Brüder«

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Losian hat sein Gedächtnis verloren. Simon leidet an Epilepsie. Die Zwillinge Godric und Wulfric sind an der Hüfte zusammengewachsen, Oswald hat das Down-Syndrom, Luke und Regy sind mit psychischen Erkrankungen geschlagen, und King Edmund hält sich für einen christlichen Märtyrer. Diese Gefährten sind »Hiobs Brüder«, die Helden von Rebecca Gablés neuem historischem Roman (Ehrenwirth Verlag, 912 Seiten, 24,99 Euro, auch als Hörbuch erhältlich).

Darin geht es um das Schicksal von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Aber auch um den englischen Thronstreit zwischen 1135 und 1154, in dem sich die Adligen nicht einig sind, ob sie ihrem König Stephan von Blois folgen sollen oder seinem Rivalen aus dem französisch-normannischen Fürstenhaus Plantagenet. Und es geht um jüdische Kaufleute und Ärzte, die ihren angelsächsischen Kollegen oft eine Nase voraus sind und dennoch – oder gerade deswegen – leicht in Verruf kommen.

Auf einer Insel vor der englischen Küste lernen sich die ungleichen Gefährten zu Beginn der Geschichte kennen. Mönche haben sie dorthin verbannt. Dieses Schicksal schweißt die Freunde zusammen, und als ihnen die Flucht gelingt, gehen sie gemeinsam auf Wanderschaft und suchen ein neues Zuhause. Zunächst versuchen sie es im Heimatdorf der Zwillinge. Doch der Empfang ist alles andere als freundlich:





Die Tür der Hütte flog auf, und eine junge Frau trat heraus. Ihr Anblick verursachte Losian einen eigentümlichen Schock. Er spürte Hitze auf der Haut, und alle Härchen richteten sich auf. Die Frau hatte ein unverkennbar bäurisches Gesicht, aber herrlich rote Lippen und hohe, pralle Brüste unter dem schlichten Kleid. Er hatte keine bewusste Erinnerung daran, je zuvor eine Frau gesehen zu haben, aber sein Körper wusste anscheinend Dinge, die sich seinem Geist entzogen, denn er spürte eine unmissverständliche Regung in den Lenden.

Dann riss dieses hinreißende Wesen die Arme in die Höhe und tat einen markerschütternden Schrei.
Losian sah Simon neben sich zusammenzucken, und die Zwillinge traten einen Schritt zurück. »Gunda ...«, sagte Godric mit einem etwas atemlosen Lachen, schaute hilfesuchend zu seinem Bruder, und der fragte die Frau: »Wo ist unser Vater?«
Statt zu antworten, reckte sie den Hals und schrie über ihre Köpfe hinweg: »Thurgar! Robert! Kommt schnell! O heilige Jungfrau, beschütze mich vor den Visionen der Hölle ...« Sie schlug die Hände vors Gesicht und wandte den Kopf ab.

»Gunda, was soll das?«, fragte Godric. »Wir sind deine Vettern, keine Visionen der Hölle. Und jetzt sag mir, wo unser Vater ist.«
Sie schüttelte den Kopf, fing an zu weinen und floh zurück in ihr Häuschen.
Ehe Godric und Wulfric ihr nachrufen konnten, kamen aus der Nachbarhütte zwei kräftige junge Kerle, von denen einer eine Axt in Händen hielt. »Was geht hier ... O Jesus, Maria und Joseph.« Der mit der Axt war wie angenagelt stehen geblieben.
Der andere hielt verdutzt inne und trat dann mit ausgebreiteten Armen und einem warmen Lächeln auf die Ankömmlinge zu. »Godric! Wulfric! Ihr ... ihr seid Männer geworden.«
»Thurgar«, grüßte Godric verlegen.

Der wollte ihn in die Arme schließen, aber sein Gefährte hielt ihn mit einer Bewegung seiner Axt davon ab. »Vorsicht. Du weißt, was sie gesagt haben.« Er pfiff zur Kirche hinüber. »Vater Edgar? Kannst du mal herkommen?«
»Robert!«, protestiert Wulfric. »Wärst du vielleicht so gut, uns zu sagen, wo unser Vater ...«
»Er ist tot«, antwortete Robert.
Die Zwillinge sahen sich an und senkten dann die Köpfe. Sie waren traurig, aber nicht überrascht. Losian wusste, sie hatten damit gerechnet, denn sie waren vernünftige Männer, und vier Jahre waren eine lange Zeit.
»So tot wie ihr«, fügte der junge Bursche grimmig hinzu.
Losian legte jedem der Zwillinge kurz eine Hand auf die Schulter, dann stellte er sich vor sie und wandte sich an den Mann, der seine Axt so einsatzbereit in beiden Händen hielt. »Dein Name ist Robert, Freund?«
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