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Natur & Reise
»Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.« Stimmt das?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wir fragten Professor Franz Bairlein (53) vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven.
F&A: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus – das heißt, dass man unter Gleichgesinnten solidarisch ist und zusammenhält. Was steckt hinter diesem Sprichwort?
Bairlein: Das Sprichwort kommt wahrscheinlich daher, dass Kolkraben oft das Gefieder ihrer Artgenossen »kraulen« und dabei auch an den feinen Federchen am Auge zupfen. Sie sind dabei ganz behutsam, trotz ihres gewaltigen Schnabels. Sie hacken sich also tatsächlich gegenseitig nicht die Augen aus.
Warum zupfen sie sich an den Augen?
Bairlein: Die Gefiederpflege hat nichts mit Hygiene zu tun wie etwa das Entlausen bei Affen. Sie hat auch keinen sexuellen Hintergrund. Vielmehr geht sie auf den hohen Spieltrieb der Rabenvögel, zu denen die Krähen gehören, zurück.
Warum gelten im Sprichwort gerade Krähen als Beispiel für Solidarität?
Bairlein: Krähen haben, wie alle Rabenvögel, schon immer eine starke Faszination auf den Menschen ausgeübt. Die großen schwarzen Tiere werden, je nach Kultur, entweder verherrlicht oder verteufelt. In der nordischen Mythologie zum Beispiel waren Raben die Tiere des Kriegsgottes Wotan. Doch eine sprichwörtlich verschworene Gemeinschaft sind sie nicht.
Zwar haben Kolkraben lebenslange Partnerschaften, ihre Jungtiere verlassen aber den Familienverband recht früh. Jungvögel und Nichtbrüter schließen sich beispielsweise bei der Rabenkrähe zu lockeren Schwärmen zusammen. In einem solchen Schwarm kann es durchaus zu Rangeleien bei der Nahrungssuche kommen. Auch gibt es Auseinandersetzungen um Reviere oder um Weibchen. Kämpfe mit Verletzungen sind aber die Ausnahme.
In der Regel grenzen die Vögel ihre Reviere durch Rufen ab. Andere Singvögel, wie die Amsel, tun dies mit Gesang.

























